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Input für die Praxisführung


Fokus Markt

Digitalisierung als Wachstumstreiber

Trotz der Eigendynamik der technologischen Entwicklung kann die Digitalisierung nie Selbstzweck sein. Sie ergibt nur dann Sinn, wenn sie sich in einer Steigerung der Produktivität niederschlägt. Um das Potenzial auszuschöpfen, müssen Zahnarztpraxen die Veränderungsprozesse auf drei Ebenen in die richtige Richtung lenken: bei der Marktleistung, beim Personaleinsatz und bei der Gestaltung der Patientenbeziehung.

«Die Welt verändert sich.
Der Markt der Zahnmedizin auch.»

Die digitale Transformation ist von Technologien getrieben, aber ihre Auswirkungen gehen weit darüber hinaus. Die Automatisierung durch Digitalisierung und Technologisierung stellt herkömmliche Geschäftsmodelle in Frage, wirkt sich auf das Verhalten der Akteure in den Märkten aus und erzeugt dringenden Handlungsbedarf bei der strategischen Ausrichtung der Unternehmen. Für den Markt der Zahnmedizin besonders relevant sind die Umwälzungen bei den Behandlungsmethoden, die veränderten, zunehmend komplexeren Anforderungen an die Mitarbeitenden des Praxisteams und schliesslich die Verflachung des traditionellen hierarchischen Gefälles zwischen Zahnarzt und Patient.

Sicherstellung der Marktfähigkeit

Auf längere Sicht wird es sich keine Zahnarztpraxis leisten können, sich der Digitalisierung der Diagnostik und der Behandlungsmethoden zu verschliessen. Im Vordergrund stehen zurzeit die digitale Bildgebung, CAD/CAM-Fertigung oder der 3-D-Druck.

«Der Einzug der Robotik in der Zahnheilkunde ist in vollem Gange – zum Beispiel kommen Roboter bereits als Navigationssysteme für die prä-, und intra-operativen Phasen der Implantologie zur Anwendung. Die Möglichkeiten der dentalen Lasertechnologien sind noch längst nicht ausgereizt. Sie kommen zunehmend bei chirurgischen Eingriffen, in der Implantologie, in der Endodontologie und bei der Behandlung von Paradontitis zum Einsatz. Ein weiteres aktuelles Thema in der Prothetik ist die digitale Abformung, die im Behandlungsbereich den Kreis des digitalen Workflows schliesst.»

Studie Atlas Dental, GFDI *

Die Digitalisierung der Diagnostik und der Behandlungsmethoden führt nicht nur zu einem Effizienzgewinn, sie erhöht auch die Behandlungsqualität. Zahnmedizinische Behandlungen werden schonender, die Behandlungszeit verkürzt sich und es sind weniger Sitzungen erforderlich. Damit verändert sich die Erwartungshaltung der Patientinnen und Patienten. Das höhere Qualitätsniveau etabliert sich als Standard, was auch kleinere Zahnarztpraxen dazu zwingt, aufzurüsten. Allerdings ist der Investitionsbedarf für die Einführung der digitalen Technologien enorm.

Trend zu grösseren Praxisstrukturen

Beobachter der Dentalmärkte machen in einigen Ländern Europas einen Trend zu grösseren Praxisstrukturen aus, der unter anderem auf das hohe Investitionsvolumen zurückzuführen ist. Die hohen Kosten für digitale Diagnose- und Behandlungsverfahren lassen sich im Kollektiv durch gemeinsame Nutzung besser stemmen.

«Das durchschnittliche Finanzierungsvolumen für die Neugründung einer Einzelpraxis lag im Jahr 2017 bereits bei 442'000 € (ohne Betriebsmittelkredit).»

Studie Atlas Dental, GFDI *

Ins Gewicht fällt ausserdem, dass es mit Einmalinvestitionen nicht getan ist. Die immer kürzeren Innovationszyklen erzeugen einen permanenten Investitionsdruck.

Zusatzbelastung des Personals

Die Einführung medizintechnischer digitaler Technologien ist nicht nur investitionsintensiv, sie bringt auch weitere Belastungen mit sich. Sie erfordert je nach Ist-Zustand der Zahnarztpraxis eine Anpassung der Prozesse und der IT-Infrastruktur. Das digitale Gerät muss in den Workflow eingebunden und auf die spezifischen Bedürfnisse der Zahnarztpraxis ausgerichtet werden. Zudem erfordert jede Neuanschaffung eine Einführung des Behandlungs- und Assistenzpersonals. Digitale Kompetenz kommt nicht von selbst.

Fort- und Weiterbildung gewinnen weiter an Bedeutung und binden immer mehr zeitliche Ressourcen. Dies nicht zuletzt zu Lasten der produktiven Arbeit am Patienten. Verschärft wird die Situation dadurch, dass die Mitarbeitenden vieler Zahnarztpraxen zu einem hohen Anteil mit unproduktiven Tätigkeiten beschäftigt sind.

«Insbesondere Mitarbeiter deutscher Zahnarztpraxen haben 55% ihrer Arbeitszeit für die Patientenversorgung zur Verfügung, die restlichen 45% werden für die Erledigung bürokratischer Aufgaben benötigt.»

Studie Atlas Dental, GFDI *

In der Schweiz mag das Verhältnis aufgrund des mehrheitlich nicht regulierten Abrechnungswesens etwas günstiger sein, dürfte sich aber in ähnlicher Grössenordnung bewegen.

Ein neuer Kundentyp: der E-Patient

Der Vormarsch digitaler Kommunikationskanäle und Internet-Dialogplattformen hat schon längst auch das Gesundheitswesen erreicht. Patientinnen und Patienten nutzen einschlägige Bewertungsplattformen, um sich zu informieren, und vor allem jüngere Generationen wählen ihre Zahnarztpraxis aufgrund von Preis-Leistungsvergleichen. Im Austausch mit Praxen werden E-Mail, SMS und Videochats zunehmend bevorzugt.

Zu den aktuell diskutierten Themen zählt das Elektronische Patientendossier EPD, dessen Einführung in der Schweiz zeitnah bevorsteht. Wie hoch die Akzeptanz des EPD bei den Patientinnen und Patienten ist, wird sich zeigen. Doch mit der Zeit dürfte es als Selbstverständlichkeit wahrgenommen werden. Es ist davon auszugehen, dass die elektronische Sammlung, Übermittlung und Verarbeitung vom Patientendaten markant zunehmen wird. Die Leistungsanbieter stehen dabei in der Pflicht, die Vorschriften des Datenschutzgesetzes einzuhalten und sich von den Patientinnen und Patienten ausdrücklich von der ärztlichen Schweigepflicht entbinden zu lassen.

Strategische Weichenstellungen für die digitale Zukunft

Finanzierung

Ein zentraler Aspekt der Digitalisierung in den Bereichen Diagnostik und Behandlung ist die Finanzierung. Dafür bieten sich verschiedene Optionen an. Investitionskredite von Banken erfordern Sicherheiten und sind teuer. Crowdlending bietet Kreditnehmern attraktive Konditionen, aber auch bei dieser Finanzierungsform fallen Zinsen an. Die aus unternehmerischer Sicht vernünftigste Lösung ist die Finanzierung der Digitalisierung aus eigener Kraft:

Ein straff organisiertes Honorar-Management stellt sicher, dass erforderliche flüssige Mittel – zum Beispiel für die Finanzierung von Investitionen – zeitgerecht zur Verfügung stehen.

Kundenorientierung

Die meisten Menschen sind offen für die Errungenschaften der digitalen Transformation. Das zeigt sich in der intensiven Nutzung von elektronischen Kommunikationskanälen und Medien, im regen Gebrauch von Apps in allen Lebenslagen oder in der zunehmenden Beliebtheit des Online-Shoppings. Der Einsatz digitaler Kanäle und elektronischer Medien ist für die Zahnarztpraxis eine Chance, sich als fortschrittliches und kundennahes Unternehmen zu profilieren: zum Beispiel
mit der Integration einer Online-Patientenagenda ins Praxis-Software-System, mit der Übermittlung von Recalls und anderen Patienteninformationen via SMS und weiteren digitalen Serviceleistungen.

Ein Musterbeispiel für die Bereitstellung digitaler Services ist die über elektronische Plattformen abgewickelte Teilzahlzahlung von Honorarnoten, wie sie die Zahnärztekasse AG anbietet. Der Prozess ist vollständig digitalisiert und reicht von der Ratenberechnung über die Antragsstellung und den Vertragsabschluss bis zur Überwachung der Zahlungseingänge.

Datensicherheit

Der Schutz von Patientendaten ist ernst zu nehmen. Gemäss den Vorschriften des Datenschutzgesetzes DSG dürfen Personendaten nur an Dritte weitergeleitet werden, wenn die Patientin oder der Patient die Einwilligung dazu erteilt hat. Zudem müssen sich medizinische Fachpersonen laut Schweizerischem Strafgesetzbuch durch die Patientin oder den Patienten vom Berufsgeheimnis entbinden lassen.

Zahnarztpraxen sind auf der sicheren Seite, wenn sie die Einwilligungserklärung und die Entbindung vom Berufsgeheimnis von allen Patienten systematisch und in schriftlicher Formeinfordern. Insbesondere auch von bestehenden Patienten.

Fokussierung

Die digitale Aufbruchsstimmung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kernaufgabe der Zahnarztpraxis darin besteht, die zahnmedizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherzustellen. Es muss deshalb ihr Ziel sein, sich voll und ganz auf diese Aufgabe zu konzentrieren und ihre Kräfte möglichst uneingeschränkt in den Dienst der Produktivität zu stellen. Dies gelingt besser, wenn sie fachfremde Aufgaben an externe Spezialisten auslagert.

Ein Bereich, der sich für ein Outsourcing geradezu anbietet, ist das Honorar-Management. Wenn sich gut ausgebildete, mit digitalen Kompetenzen ausgestattete Praxisassistentinnen und Praxisassistenten mit dem Ausstellen und Versenden von Honorarnoten beschäftigen, kommt dies einer Vergeudung von Ressourcen gleich. Umgekehrt bringen zahnmedizinische Fachkräfte kaum das nötige Know-how für die Abwicklung eines strukturierten Honorar-Managements mit, das die Liquidität der Zahnarztpraxis sicherstellt und sie wirksam vor Debitorenverlusten schützt.

Eine Outsourcing-Lösung mit der Zahnärztekasse AG setzt die Digitalisierung der Zahnarztpraxis auf der Ebene des Honorar-Managements nahtlos fort und integriert diesen Bereich via kostenlose Schnittstellen in die Patientenadministration.

* Die Dentalbranche im Umbruch

Die in den Boxen dieses Textes kursiv gesetzten Angaben und Daten stammen aus der Studie Atlas Dental, Die Märkte Europas /// Strukturen, Herausforderungen und Szenarien (2019). Herausgeberin ist die GFDI Gesellschaft zur Förderung der Dental-Industrie mbH mit Sitz in Köln. Die Studie vermittelt eine Gesamtsicht über die Entwicklung der Dentalmärkte in Europa einschliesslich der Schweiz. Interessant sind insbesondere die anskizzierten Zukunftsperspektiven für die verschiedenen Sparten der Branche.

Die Studie Atlas Dental steht interessierten Zahnärztinnen und Zahnärzten als PDF zur Verfügung. Senden Sie einfach ein E-Mail an Claudio Sguazzato, Kundenberater Zahnärztekasse AG, sguazzato@zakag.ch.